Zukunft Heizen in Deutschland: Was kommt nach Gas?
Kurzantwort: Nach Gas wird in Deutschland überwiegend elektrisch und erneuerbar geheizt. Die Wärmepumpe gilt als Leittechnologie, ergänzt durch Wärmenetze und PV. Treiber sind die GEG-65-%-Regel, ein steigender CO2-Preis und die kommunale Wärmeplanung. Die KfW-Förderung dient als Brücke. Stand: Juni 2026.
Die Richtung der Wärmewende ist erkennbar, das Tempo bleibt politisch in Bewegung. Dieser Überblick ordnet den rechtlichen Rahmen, die Kostenentwicklung und die Technologien ein – so, wie sie sich im Juni 2026 darstellen, und mit klarer Kennzeichnung dessen, was geplant, aber noch nicht beschlossen ist.
Welcher politische Rahmen gilt 2026?
Maßgeblich ist im Juni 2026 das Gebäudeenergiegesetz (GEG 2024) mit seiner 65-%-Regel: Neu eingebaute Heizungen müssen zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Eine Reform unter dem Namen Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) ist geplant, aber noch nicht in Kraft.
Die 65-%-Regel greift, sobald die kommunale Wärmeplanung vor Ort vorliegt – spätestens bis Mitte 2026 (Großstädte) bzw. Mitte 2028 (kleinere Gemeinden). Wer heute eine Heizung tauscht, sollte den lokalen Wärmeplan und das aktuelle GEG prüfen, bevor er sich festlegt.
Eine Reform ist auf dem Weg: Der Gesetzentwurf für ein Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) wurde am 13. Mai 2026 im Kabinett beschlossen, ein Inkrafttreten ist für etwa den 1. Juli 2026 angestrebt. Das GMG soll die starre 65-%-Regel ersetzen und stärker auf CO2-Vermeidung umstellen. Wichtig: Das Gesetz hat Bundestag und Bundesrat noch nicht passiert – Endform und Zeitpunkt sind offen. Bis dahin gilt das bestehende GEG unverändert weiter (GEG § 71, gesetze-im-internet.de; Heizungsgesetz-Überblick, ADAC).
Unabhängig vom konkreten Gesetzestext bleibt die Stoßrichtung stabil: weg von rein fossiler Wärme, hin zu Effizienz und erneuerbaren Quellen. Die Bundesregierung beschreibt das Ziel zum GMG so:
„Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz wollen wir das Heizen technologieoffener und unbürokratischer machen – mit klarem Fokus auf die Einsparung von CO2." – Bundesregierung, Mitteilung vom 13. Mai 2026
Für die Praxis heißt das: Auf Technologieoffenheit zu setzen ist legitim, ändert aber nichts daran, dass CO2-Kosten und Effizienz langfristig die Heizkosten bestimmen.
Warum steigt der CO2-Preis – und was bedeutet das für Gas?
Heizen mit fossilem Gas wird durch die CO2-Bepreisung schrittweise teurer. 2026 bewegt sich der nationale CO2-Preis in einem Preiskorridor von 55 bis 65 €/t (kein fixer Wert). Ab 2028 ist der Übergang in den EU-Emissionshandel ETS2 vorgesehen, dessen Preis sich am Markt bildet und tendenziell steigen kann.
Konkret schlägt der CO2-Preis 2026 mit bis zu rund 1,40 ct/kWh auf den Gaspreis durch – bei 20.000 kWh Verbrauch sind das etwa 260 bis 310 € pro Jahr allein für die CO2-Komponente (Verbraucherzentrale, 01/2026). Der Gaspreis für Haushalte liegt aktuell bei rund 11 bis 13 ct/kWh (BDEW Gaspreisanalyse 01/2026), Tendenz mit steigender CO2-Last eher aufwärts.
Wichtig zur Einordnung: Diese Werte sind Entwicklungen, keine garantierten Prognosen. Sowohl Gas- als auch CO2-Preis sind volatil. Der ETS2 ab 2028 ist gesetzlich vorgesehen, sein konkretes Preisniveau jedoch nicht festgelegt. Für eine Heizungsentscheidung mit 15–20 Jahren Lebensdauer ist die Richtung dennoch relevant: Eine Wärmepumpe entkoppelt die Heizkosten weitgehend vom fossilen Brennstoff- und CO2-Risiko.
Warum ist die Wärmepumpe die Leittechnologie?
Die Wärmepumpe gilt in Deutschland als Leittechnologie der Wärmewende, weil sie Umweltwärme nutzt, im Bestand effizient läuft und die höchste Förderung erhält. Sie wandelt eine Kilowattstunde Strom in mehrere Kilowattstunden Wärme um und entkoppelt das Heizen weitgehend von Gaspreis und CO2-Aufschlag.
Dass das auch im unsanierten Bestand funktioniert, zeigen reale Feldmessungen. In der Fraunhofer-ISE-Studie „WP-QS im Bestand" (2025) erreichten Luft-Wärmepumpen eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,4 und sparten gegenüber Gas rund 64 % CO2 ein. Die ältere Feldstudie „WPsmart im Bestand" (2020) maß eine JAZ von 3,1 bei einem Zuheizer-Anteil von nur 1,9 %. Das Fraunhofer ISE fasst zusammen:
„Wärmepumpen sind im Gebäudebestand technisch ausgereift und arbeiten dort effizient." – Fraunhofer ISE, Pressemitteilung „WPsmart im Bestand"
Eine JAZ von 3,1 bis 3,4 ist der ehrliche Feld-Durchschnitt – höhere Vendor-Werte um 4 beschreiben meist den Neubau-Bestfall. Wie eine Wärmepumpe Umweltwärme nutzbar macht, erklärt unser Beitrag Wie funktioniert eine Wärmepumpe?. Welche Heizlösung 2026 am besten zu Ihrem Gebäude passt, vergleicht der Überblick beste Heizlösungen 2026.
Welche Heiztechnologien haben Zukunft – und welche nicht?
Nach Gas stehen mehrere Technologien zur Wahl, aber nicht alle sind gleich zukunftssicher. Die Wärmepumpe ist im Ein- und Zweifamilienhaus die erste Wahl, Wärmenetze und Biomasse sind je nach Standort sinnvoll, reine Gaslösungen verlieren an Perspektive. Der lokale Wärmeplan gibt den entscheidenden Hinweis.
- Wärmepumpe: nutzt Umweltenergie, läuft effizient und erhält mit bis zu 70 % die höchste Förderung. Hauptpfeiler der Wärmewende.
- Wärmenetz (Fernwärme): wird in kommunalen Wärmeplänen ausgewiesen und soll künftig stärker auf Geothermie und Großwärmepumpen umgestellt werden. Sinnvoll, wo ein Anschluss vorhanden oder geplant ist.
- Hybridheizung: kombiniert Wärmepumpe mit einem zweiten Wärmeerzeuger; gefördert wird nur der erneuerbare Anteil. Übergangslösung für sehr schwer dämmbare Altbauten.
- Biomasse (Pellets, Stückholz): erneuerbar und mit bis zu 70 % förderfähig, aber platzintensiv und mit Feinstaub- sowie Brennstofflogistik-Themen behaftet.
- Solarthermie: unterstützt Warmwasser und Heizung, ersetzt aber keinen Wärmeerzeuger. Sinnvoll als Ergänzung.
- H2-ready-Gasheizung: heutige Geräte erlauben in der Regel nur einen begrenzten Wasserstoffanteil; flächendeckend grüner Wasserstoff fürs Heizen ist nicht gesichert. Als alleinige Zukunftslösung unsicher.
Eine ausführliche Gegenüberstellung von Gas und Wärmepumpe finden Sie unter Gasheizung oder Wärmepumpe 2026.
Warum macht R290 eine Wärmepumpe zukunftssicher?
R290 (Propan) ist ein natürliches Kältemittel mit sehr niedrigem Treibhauspotenzial (GWP 3). Es ermöglicht Vorlauftemperaturen bis rund 75 °C und ist damit auch für Altbauten mit klassischen Heizkörpern geeignet. Im Gegensatz zu synthetischen F-Gasen ist R290 nicht vom regulatorischen Auslaufpfad betroffen.
Der Hintergrund: Die F-Gas-Verordnung der EU regelt einen Phase-down synthetischer Kältemittel mit hohem GWP. Geräte, die auf solche Kältemittel angewiesen sind, geraten mittel- bis langfristig unter Druck bei Verfügbarkeit und Servicekosten. Eine Wärmepumpe mit natürlichem Kältemittel wie R290 umgeht dieses Risiko – ein handfester Aspekt von Zukunftssicherheit, nicht nur ein Umweltargument.
Hinzu kommt ein Förderaspekt: Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel sichern in der KfW-Förderung den Effizienz-Bonus von 5 % (siehe nächster Abschnitt). Die WunderWärme-Modelle (WW60V2 bis WW160V2) sind durchgängig R290-Monoblocks mit PV-Integration und App-Steuerung – entwickelt in Deutschland und auf diese Anforderungen ausgelegt.
Wie überbrückt die KfW-Förderung die Anfangskosten?
Die höheren Anschaffungskosten einer Wärmepumpe federt 2026 die KfW-Förderung „Heizungsförderung für Privatpersonen – Wohngebäude (Zuschuss 458)" ab. Selbstnutzende Eigentümer können einen Zuschuss von bis zu 70 % erhalten, gedeckelt auf maximal förderfähige Kosten von 30.000 € – also bis zu 21.000 €.
Die Förderung setzt sich aus Bausteinen zusammen (KfW 458, Stand Juni 2026):
- 30 % Grundförderung – einkommensunabhängig für alle Antragsteller.
- +30 % Einkommens-Bonus – nur Selbstnutzer mit zu versteuerndem Haushaltsjahreseinkommen bis 40.000 €.
- +20 % Klimageschwindigkeits-Bonus – beim Austausch einer alten fossilen Heizung, befristet bis 31.12.2028.
- +5 % Effizienz-Bonus – unter anderem für Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel (z. B. R290).
Wichtig zur Abgrenzung: Die Wärmepumpe selbst läuft über die KfW, nicht über die BAFA. Die BAFA fördert weiterhin Maßnahmen an der Gebäudehülle und die Heizungsoptimierung. Förderhöhen sind politisch gestaltbar und können künftig angepasst werden – die hier genannten Sätze gelten für den Stand Juni 2026. Details zur Antragstellung und zu den Voraussetzungen finden Sie unter Wärmepumpe Förderung 2026 in Deutschland.
Häufige Fragen
Was kommt nach der Gasheizung in Deutschland?
In den meisten Bestands- und Neubauten ist die Wärmepumpe die zentrale Nachfolgerin der Gasheizung, ergänzt durch Wärmenetze, wo sie verfügbar sind. Der lokale Wärmeplan zeigt, welche Option am Standort vorgesehen ist. Hybrid- und Biomasselösungen sind Nischen für schwierige Gebäude.
Wird die Gasheizung 2026 verboten?
Nein. Bestehende Gasheizungen dürfen weiter betrieben und repariert werden. Beim Neueinbau gilt jedoch die GEG-65-%-Regel, sobald der kommunale Wärmeplan vorliegt. Eine GMG-Reform ist geplant, aber im Juni 2026 noch nicht beschlossen. Reine fossile Neuanlagen verlieren langfristig an Perspektive. Stand: Juni 2026.
Warum macht R290 eine Wärmepumpe zukunftssicher?
R290 ist ein natürliches Kältemittel mit GWP 3 und damit nicht vom F-Gas-Phase-down synthetischer Kältemittel betroffen. Das senkt das Risiko steigender Servicekosten. Zugleich sichert ein natürliches Kältemittel den KfW-Effizienz-Bonus von 5 % und erlaubt Vorlauftemperaturen bis rund 75 °C – passend für Altbau-Heizkörper.
Lohnt sich der Umstieg trotz steigendem Strompreis?
Häufig ja. Der Haushaltsstrom liegt 2026 bei rund 37 ct/kWh, Wärmepumpentarife bei etwa 20–27 ct/kWh. Bei einer Feld-JAZ von 3,1–3,4 erzeugt eine Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom rund drei Kilowattstunden Wärme. Mit steigendem CO2-Preis verschiebt sich das Verhältnis weiter zugunsten der Wärmepumpe. Konkrete Beträge bleiben gebäudeabhängig.
Quellen und Prüfhinweise
Förder-, Rechts-, Preis- und Schallangaben sind zeitabhängig. Bitte prüfen Sie offizielle Quellen vor einer Entscheidung erneut. Stand: Juni 2026.
- KfW: Heizungsförderung für Privatpersonen – Wohngebäude (458)
- Gebäudeenergiegesetz (GEG), Paragraf 71
- Heizungsgesetz: Welche Regeln gelten und was sich 2026 ändert (ADAC)
- Bundesregierung: Neues Gebäudemodernisierungsgesetz
- Verbraucherzentrale: CO2-Preis fürs Heizen
- Fraunhofer ISE: Feldstudien Wärmepumpen im Bestand
